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„Drauf geschissen 2.0“ Erlebnisführung „Könige der Nacht“
Ausstellung im Museum Gelnhausen Im Jahre 1260, wenn sich nachts kein ehrenhafter Bürger mehr auf
vom 10.9. bis 30.10.2022 die Gassen Gelnhausens wagt, dann ist die Zeit von Luckard und
Bechtold Goltcreber. Die beiden verdienen ihr Geld mit dem Leeren
von Abortgruben und dem Weitererzählen von dabei erfahrenen
Jeder muss da hin. Wie oft, das hängt vom individuellen Stoffwech- Heimlichkeiten! Da sie zu den Häusern der Gelnhäuser Oberschicht
selprozess ab. Manche lesen dort. Andere haben dort die besten Zugang zu nächtlicher Zeit haben, wissen sie mehr, als so manchem
Ideen. Oder bedienen die Sozialen Netzwerke auf dem Handy. Oder lieb ist. Nur allzu gerne erzählen sie diese Geschichten weiter. Aber
stieren vor sich hin. Früher hat man sich dort sogar unterhalten. Es dies ist nicht die einzige unehrenhafte Arbeit, der sie nachgehen.
soll dort auch schon Tote gegeben haben. Wo? Auf der Keramik, dem Wer mehr über die Gelnhäuser Unterschicht wissen möchte, der
Ab(ort), Donnerbalken, WC, Lokus, der Toilette, der Bedürfnisan- ist bei den beiden gut aufgehoben – doch auch diejenigen, die mehr
stalt, dem „Thron“. Die Geschichte des „Stillen Örtchens“ beleuchtet über die Oberschicht erfahren möchten, sind hier richtig, denn hier
eine Ausstellung von Schlösserland Sachsen, die vom 10. Septem- erfährt man mehr, als der Oberschicht lieb ist!
ber bis zum 31. Oktober 2022 im Galerie-Raum des Museums der
Stadt Gelnhausen zu sehen ist. Sie trägt den inhaltsschwangeren Samstag, 10.09.2022 – 16.00 Uhr
Titel „Drauf geschissen 2.0“ und widmet sich der Kulturgeschichte Dauer ca. 2 Stunden
des „Stillen Örtchens“. Wer noch passende Exponate hat, um diese Erwachsene € 10,–,
Schau zu bereichern, kann sich mit der Abteilung Kultur, Tourismus Kinder 6–16 J. € 5,–
und Museum der Stadt Gelnhausen unter der Telefonnummer 06051 Tickets sind erhältlich in der Tourist-Information
830-300 oder kultur@gelnhausen.de in Verbindung setzen. Tel. 06051/830-300 oder – 301
Das „Stille Örtchen“ nimmt thematisch eine enorme Bandbreite ein.
Der Bogen spannt sich von den antiken Hochkulturen bis in die heu-
tige Zeit. Immer wieder fasziniert die Infrastruktur der Abwasserbe- Themenführung „ Von Abwasser bis Zisterne“
seitigung in römischen Großstädten. Eine eher attraktive Hässlichkeit Als Lebensmittel ist Wasser unverzichtbar und Grundvoraussetzung
besitzt aus heutiger Sicht hingegen die Vorstellung, wie Menschen im für die Gründung einer Stadt – zu viel davon kann aber auch zum
Mittelalter, in Burgen, Dörfern und Städten ihre Notdurft verrichte- Untergang einer Stadt führen. Abwasser, Viehtränke, Arbeitsmittel,
ten. Ohne an dieser Stelle in die Tiefe gehen zu wollen: Der vielge- Wasserweg, Energiespender, Brunnen, Weihwasser – vielfältig sind
nutzte Ausspruch „Geld stinkt nicht“ hängt mit einer „Gefäßsteuer“ die Bedeutungen des nassen Elements für uns. Lernen Sie zahl-
zur Zeit des römischen Kaisers Vespasian zusammen… reiche davon kennen!
Die Ausstellung beleuchtet darüber hinaus auch Reinlichkeit und Samstag, 01.10.2022 – 16.30 Uhr
Hygiene in der Antike, die Pracht der Latrinen in Rom, den Verfall Dauer ca. 1,5 Stunden
einstiger Hochkulturen in der Epoche des Mittelalters und die organi- Erwachsene € 5,– ,
sierte Entsorgung der Fäkalien im 19. Jahrhundert, dem Zeitalter der Kinder 6–16 J. € 2,50
Industrialisierung. Archäologische Ausgrabungen von Latrinen sind Tickets sind erhältlich in der Tourist-Information
nicht appetitlich, belohnen aber mit vielen wichtigen Erkenntnissen. Tel. 06051/830-300 oder -301
Neben absichtlich entsorgten und versehentlich verlorenen Dingen
sind es die unsichtbaren Spuren, die viel über das Leben und den Tod
ihrer Benutzer sagen.
Zu den Exponaten von „Drauf geschissen 2.0 – Eine kleine Kulturge-
schichte des stillen Örtchens“ werden Nachttöpfe, Toilettenstühle,
Toilettenpapierrollen mit Alleinstellungsmerkmal, Postkarten, Gülle-
schöpfer, Schilder, Bilder und vieles mehr gehören.
Ziel der Ausstellung ist es, die Entwicklung und Geschichte des „Stil-
len Örtchens“ seriös und ohne Effekthascherei darzustellen. Kichern
ist aber trotzdem erlaubt…
Kurzfristige Änderungen aufgrund der Corona-Pandemie sind mög-
lich. Öffnungszeiten: Dienstag bis Sonntag 10.30 – 16.30 Uhr
© Verena König
Spezial

